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In den letzten Jahren stelle ich mir häufig die Frage, wohin sich die Wirtschaftsysteme entwickeln. Technisierung, Globalisierung, Politik und Medien haben einen entscheidenden Einfluss auf diese Entwicklung . Die Technisierung schaffte mit neuen Kommunikationwegen wie dem Internet, eine völlig neue Medienlandschaft. Auch die Telekommunikation hat im Vergleich zu 1980 einen erheblichen, technischen Fortschritt erfahren. Die Technisierung ist Fluch und Segen gleichermaßen. So schafft sie vielfältige Informationmöglichkeiten bis hin zum Informationsüberfluss, der kaum noch beherrschbar erscheint. Sie schafft sichere und menschenwürdige Arbeitsbedingungen, gefährdet aber zugleich Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Mitarbeiter. Ethnologische Fakten finden in der Technik kaum Berücksichtigung. Eine Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft erfordert entsprechende ethnologische Faktoren. Die Biologie lässt sich nicht überlisten. Ob da die Gentechnik der richtige Weg ist, ein Volk von Dienstleistern zu schaffen? NEIN DANKE! Wissenschaft und Technik verlängern das Leben, wobei sich mancher fragt wozu? Länger in die Rentenkassen einzuzahlen ist ein frommer Wunsch der Politik. Die physische und zunehmend die psychische Belastung der Arbeitnehmer werden diesem Wunsch Grenzen setzen. Unternehmen tun das ihrige, indem Leistung primär mit Jugend und nicht mit Erfahrung verbunden wird. In Teilbereichen ist das verständlich. Ein Akkordzerleger in einem Schlachtbetrieb mit Erfahrung von mehreren Tausend Stück Schwein und Rind ist mit 45 gesundheitlich am Ende. Ohne Technisierung keine Globalisierung; die Technik schaffte die Voraussetzungen für die Globalisierung. Informationen zwischen Unternehmen fließen deutlich schneller als in der Vergangenheit. Märkte rückten näher an die produzierenden Industriestaaten. Globalisierung als Chance? JA, allerdings sollte ein gewisses Gleichgewicht eintreten. Nach wie vor sind die Unterschiede zwischen armen und reichen Nationen sehr groß. Viele Unternehmen nutzen die Globalisierung ausschließlich zur eigenen Bereicherung und nicht zur Entwicklung eines funktionierenden Gesamtsystems. Billiglöhne und neue Absatzmärkte beherrschen die globalisierte Denkweise von Spitzenmanagern. Volkswirtschaftliche Aspekte bleiben unberücksichtigt. Sicher ist es legal, dass man Arbeit in das billige Ausland verlagert. Wenn aber dann die dort gefertigten Produkte in die Industriestaaten zurückimportiert werden, gleichzeitig die Klagen über die abnehmende Binnenkonjunktur und die hohe Staatsquote zunehmen, dann sind dies häufig hausgemachte Probleme, die nicht zuletzt aus eben jener Verlagerung entstanden sind. Medien: Unsere Medienlandschaft scheint vorwiegend von schlechten Nachrichten zu leben. Jede Katastrophe, selbst an den entferntesten Orten der Erde wird erwähnenswert. Kriege werden zum Medienspektakel und Kapitalverbrechen zum Kassenschlager. Aktuell beschäftigen sich die Medien mit einer Bankenkrise. Wenn ein Grossunternehmen Entlassungen ankündigt, dann ist dies meist eine Erwähnung in auf den vorderen Nachrichtenplätzen wert, wenn ein Grossunternehmen Arbeitsplätze schafft, dann geht dies meist unter. Medien werden zum Meinungsmacher. Je schlimmer die Nachrichten, desto schlechter die Meinungen de Volkes über die eigene Situation. Jedes dieser Elemente ist für sich genommen nicht schlecht. Mein Eindruck ist jedoch, dass alle Elemente im Zusammenwirken fatale Auswirkungen auf unser System haben. Oft stellt sich mir die Henne-Ei Frage: Wenn man die Aussagen börsennotierter Giganten vom zweite Quartal mit den Prognosen für das zweite Halbjahr vergleicht. Hier drängt sich die Annahme auf, das die Krise ein hervorragendes Instrument ist, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken und alles Elend dieser Welt auf die Krise zu schieben. Erst Krise, dann Problem? Erst Problem, dann Krise, auch wenn es nicht unmittelbar die eigene ist?
Ich persönlich halte unser Wirtschaftssystem in der Theorie für hervorragend. In Verbindung mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland könnte sich unser System zum Vorteil aller entwickeln. Was dazu fehlt sind nicht neue Gesetze sondern emotionale Intelligenz, Verantwortungsbewusstsein, Ehrlichkeit und ein soziales Gewissen. Unverständlich für mich ist, warum die Risikobereitschaft sehr gross, wenn es um die Existenz anderer geht. Alibiaussagen wie: "Sachzwänge der Globalisierung zwingen uns zu unpopulären Maßnahmen" kann man nicht mehr gelten lassen. Politik, Unternehmen, Medien und Bürger müssen zusammenrücken. Bildung muss einen höheren Stellenwert bekommen, aber im Kontext mit dem sozialen Gefüge. Harz IV in Harmonie mit Chancengleichheit? Wir sind schon an einem Punkt angekommen, wo Frisörin ein für Hauptschülerinnen unereichbarer Traumberuf geworden ist. Trotzdem will sich niemand von dieser Schulform lösen. Vor ca. 20 Jahren wurde ein entscheidender Denkfehler gemacht. Made in Germany wurde unwichtig, aus Qualität wurde das "richtige Preis-Leistungsverhältnis", aus Unternehmern wurden zunehmend Manager des EBIT und Sklaven des Shareholder Value und aus Politikern ineffiziente, fraktionsgezwungene Verbalakrobaten. Konsumenten konsumieren kritiklos die Produkte mit der "Geiz ist Geil" Mentalität, die dem Nachbarn den Arbeitsplatz gekostet hat. Alles in allem ein globalisierter Fatalkapitalismus! Hallo, wo sind die Eliten? Bewegt Euch! Jörgen Dalhoff Oktober 2008 |