Evolution der Topmanager oder ... wie aus Wirtschaftskapitänen Bruchpiloten wurden ...
Gerade in Krisenzeiten zeigt sich diese evolutionäre Entwicklung. Die Krise wird zum Managementinstrument. Nicht die Missachtung der Gesetze von Angebot und Nachfrage, sondern die Krise ist Schuld an Umsatzrückgängen. Nicht die Priorisierung von falschverstandenem Shareholder-Value ist schuld, sondern die Gründe für Unternehmensprobleme liegen fast immer bei Krisen, Politik und den unverschämten Forderungen der Arbeitnehmer.
Liebe Topmanager, ein SWR Moderator würde sagen, "Ich schreibe Euch einen Brief, weil ich Euch mag....".
Ich finde es klasse, wie toll Ihr rechnen könnt. Eure Art zu rechnen erinnert mich an die Urzeiten der EDV, wobei ich EDV mit "Einem Deppen vertrauen" übersetzen möchte. Um 10%, 20 oder gar 30% EBIT zu erreichen, ist es am einfachsten, den grössten Kostenblock zu reduzieren: Personal! Schade, dass Ihr dabei am falschen Ende anfangt. Ich will nicht ungerecht sein, das eine oder andere Managementopfer finde ich klasse. Auf Urlaub oder eine Einkommenserhöhung grosszügig zu verzichten, finde ich toll. Ich wüsste gar nicht, wie ich die Preissteigerungen auffangen könnte, wenn ich statt 5 oder 8 Mio im Jahr nur 4,5 oder 7,5 Mio bekommen (beachtet das Wort BEKOMMEN) würde.
Ich finde es klasse, dass Ihr die Globalisierung vorantreibt. Der erste Schritt ist vollzogen. Die Topmanager dieser Welt reagieren zu 90% wie ein Mann. Dabei darf man durchaus die Gesetze der Wirtschaftssysteme mal ausser Kraft setzen, egal an welcher Stelle des Wirtschaftssytems man sich befindet. Ausserdem ist es doch völlig wurscht, wie das System funktioniert, solange der Profit stimmt.
Rohstoffe, Urerzeugung > Investionsgüterindustrie>Konsumgüterindustrie> Handel Flankierende Dienstleistungen wie Finanz- und Versicherungsdienstleistung
Prima, dieses System oder? Ich denke schon wie Ihr und lasse den Profit-Treiber Nummer Eins einfach weg. Warum brauchen wir Kunden, Konsumenten, Menschen? Wir sind uns doch selbst genug.
Die Finanzierung der Wirtschaft, darf einer Bank doch gerne 20 - 30% Gewinn einbringen. Schalterpersonal durch Automaten zu ersetzen ist doch ein prima Service. Gleichzeit finanzieren wir High-Tech Unternehmen, die dafür sorgen, dass Geldautomaten eines Tages Waschmaschinen kaufen können und McD Burger essen.
Die Automobilindustrie treibt die technologische Entwicklung voran. Vollautomatische Fahrzeuge, wer braucht dann noch einen Fahrer?
Ihr seid einfach toll und mit Euren Einkommen und Euren prächtigen Rationalisierungsideen könnt Ihr sicher das ganze System zirkulieren lassen. Wenn da der doofe Staat nicht wäre. Steuern und Abgaben, die Erschwerung von Abschreibungen, wenn Ihr mal einen kleinen Fehler gemacht habt. Gut wir wollen nicht ungerecht sein, immerhin fließt ein Teil dieser Gelder wieder in Euer System zurück, gell Ihr umsichtigen Bankmanager?. Es lebe Monopoly!
Sorry Ihr Lieben, aber Ihr seid komplett schief gewickelt. Wenn Ihr weiter die Daumenschrauben an der Stelle ansetzt, die Eure Existenz rechtfertigt, dann seid Ihr bald weg vom Fenster.
Der Markt funktioniert über Menschen die Nachfragen. Über Handel>Konsumgüter>Investiongüter>Urerzeugung erreicht Euch diese Nachfrage. Benennen wir diese Menschen mal persönlich: Es sind die Mitarbeiter, denen Ihr Einkommensverbesserungen verwehrt, die Ihr entlasst, denen Ihr vorindustrielle Arbeitszeiten aufbürdet, die EURE goldenen Wasserhähne finanzieren.
Wenn Ihr das nicht kapiert, dann seid Ihr meilenweit von einer echten Globalisierung entfernt. Macht was draus, oder bleibt weiter nur ein kalt-berechnender Teil eines Systems, das sich selbst kanibalisiert.
Wenigsten im Umweltschutz seid Ihr stark engagiert. Euer Lieblingstier ist der DAX !
Die wahren Top-Manager sitzen in mittelständischen Unternehmen! Hoffenlich werden solche Unternehmen nicht dem Konzentrationswahn zum Opfer fallen. Es ist klasse, wenn ein Unternehmer Mitarbeiter noch mit Namen kennt. Wenn dies nicht mehr möglich ist, weiß er zumindest dass der eigenen Erfolg von Menschen begleitet und erst möglich gemacht wurde.
Jörgen Dalhoff im Oktober 2008
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